„Going flat“ oder der Trend zur flachen Brust

Als sich Angelina Jolie im Jahr 2013 beide Brüste entfernen ließ, wurden viele von uns das erste Mal auf das Thema Brustentfernung aufmerksam. Aber relativ kurz nachdem sie die Entfernung ihrer Brüste öffentlich gemacht hatte, sah sie bald wieder genau so aus wie zuvor. Und das verdankt sie der rekonstruktiven Chirurgie. Ob die Entfernung nun vorsorglich, wie bei Angelina Jolie, oder wegen eines Tumors akut passiert, es gibt Möglichkeiten danach, wieder eine weibliche Brustform zu erlangen.

„Going flat“

Doch in Amerika zeichnet sich nun ein Trend ab, der unter „going flat“ bekannt wird. Frauen, die diesem Trend folgen, verzichten auf die rekonstruktive Chirurgie mittels Implantaten oder Eigenfett nach der Entfernung ihrer Brust. Sie wollen keinen Wiederaufbau der Brust, sondern stehen zu den Narben und der flachen Brust, die die notwendige OP hinterlassen hat. Besonders in sozialen Netzwerken sieht man immer häufiger Frauen, die sich nach der Abnahme kunstvoll tätowiert oder kunstvoll fotografiert zeigen. Die New York Foundation for the Arts hat die amerikanische Fotokünstlerin Isis Charise für ein Projekt zu diesem Thema engagiert: „The Grace Project“. Dafür fotografiert sie Brustkrebsüberlebende nach einer Mastektomie (Brustabnahme) mit der Würde und Schönheit griechischer Göttinnen. Entstehen soll dabei eine große Porträtserie.

Hierzulande kein Trend zu „going flat“

 

In Österreich hingegen scheint sich kein Trend in diese Richtung zu zeigen.

Hier liegt die jährliche Zahl der Brustkrebs-Neuerkrankungen laut Statistik Austria bei 5500 Frauen und rund 70 Männern. Bei meiner Arbeit an der Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie am Universitätsklinikum St.Pölten werde ich immer wieder mit dieser Art der rekonstruktiven Chirurgie konfrontiert. Denn bei uns ist die Wiederherstellung der Brust nach einer Brustentfernung schon Teil der Standardbehandlung und wird von den heimischen Krankenkassen bis zur letzten nötigen Operation übernommen. Hier muss jedoch betont werden, dass wir als plastische Chirurgen den Patientinnen natürlich beratend zur Seite stehen, den Patientinnen jedoch keine Entscheidung aufzwingen oder einreden können.

„Going flat“ kommt aber erfahrungsgemäß in Österreich für viele Frauen nicht in Frage. Obwohl die Operationen auch mit Risiken verbunden sind, gehen viele Frauen bewusst den Weg des Wiederaufbaues, um sich wieder „als Frau zu fühlen“.

2 Kommentare
  1. Lana
    Lana says:

    Nach einer Mastektomie wurde meine Brust sofort aufgebaut. Auf Grund der bakteriellen Verseuchung wurde ich in Deutschland, wo ich einen Monat nachher zu Besuch war, notoperiert. Der Implantat wurde entfernt und fünf Monate lang habe ich mit schwerheilenden Wunde gelebt. Meine Brust sieht so aus, als ob ich von wilden Tieren angegriffen wurde. Es stört mich sehr, da die BH-Prothese nicht richtig sitzt und es wäre mir lieber, ich hätte ganz flache Brust. In der Wiener Klinik, wo ich operiert wurde, bedauern das alles sehr und haben mir eine Brustrekonstruktion angeboten, aber ich habe (ein halbes Jahr nach dem Not-OP) noch immer keine Entscheidung getroffen.

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    • Dr. med. Andrea Rejzek
      Dr. med. Andrea Rejzek says:

      Liebe Frau Grimm,
      Vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihr Vertrauen in uns. Wir hoffen, dass Sie die für Sie richtige Entscheidung treffen können und wünschen Ihnen alles, alles Liebe in der Entscheidungsfindung.
      Herzliche Grüße und alles Liebe,
      Team Dr. Rejzek

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